Aktion mit Empen Optik - Kippen Sammeln für den guten Zweck
Engagement am Bodensee: So werden Zigarettenkippen zu neuen Brillen
In Meckenbeuren ist dies Anja Badent - das Gesicht für „Kipp-it-clean“, der gemeinsamen Aktion von Gemeinde und NABU.
Ideengeber in Tettnang sind Janik und Sven Empen vom Brillenladen Empen Optik, die hinter der Aktion „Saubere Stadt – Saubere Sicht“ stehen.
Während bei den Sammelsamstagen in Meckenbeuren all das in den Blick gerät, was auf dem Boden liegt, gehen Empens einen anderen Weg. Zigarettenstummel sollen gezielt an zentralen Stellen in Tettnang in Stand-Aschenbechern ihren Platz haben - also noch, bevor sie der Umwelt schaden können.
Denn das tun sie, wenn die Kippen im Freien weggeworfen werden. Schwer vorstellbar, aber in den Studien heißt es, dass ein einziger weggeworfener Stummel bis zu 1000 Liter Wasser durch Nikotin - oder durch einen ihrer bis zu 7000 weiteren Schadstoffe - nachhaltig verunreinigen kann.
Daher ist für Empens - in Einklang mit den Maximen des gemeinnützigen Vereins „TobaCycle“ aus Ludwigsburg, einem Waste-Management-System für Rauchreste - eines wichtig: „Dass die Kippen nicht auf den Boden fallen.“ Das Augenmerk liegt darauf, möglichst viele Stand-Ascher in der Stadt aufzustellen - und dass das Bewusstsein für deren Bedeutung gefördert wird.
Die Brillen sind weit mehr als ein Gag.
Sven Empen
Was nicht der erhobene Zeigefinger bewirken kann, sondern das Vorleben. A und O ist, dass möglichst viele Stand-Aschenbecher (Gegenwert 125 Euro) in der Montfortstadt ihr Angebot unterbreiten. Sven Empen ist hierbei besonders rege: Bestellung und Verteilung der Ascher organisiert er. „15 sind schon im Umlauf“, freut ihn die Resonanz der Vereine und Firmen, die dafür Patenschaften übernehmen. Weitere 15 hat Empen bei Anfragen vorrätig.
„Das Ganze entwickelt sich enorm“, sind sich Vater und Sohn Empen einig. Häufig wird ihnen die Frage gestellt, wer die Ascher leert und was mit den Kippen passiert. „Wir sammeln die Kippen selber ein“, ist ein weiterer Teil von Empens Engagement, mit dem sie die Vereine und die Umwelt unterstützen.
Die Stummel füllen so nach und nach ein 60-Liter-Fass, das von „TobaCircle“ stammt und auch wieder nach Ludwigsburg transportiert wird. „Sie verarbeiten es weiter zu Taschen-Aschenbechern“, erklärt Janik Empen. Nicht vermeiden ließe sich, dass ein Teil des Materials verbrannt werden muss und zu Fernwärme wird.
Hochwertiges Granulat dank chemischem Prozess
Dass bei Empens viele Stränge zusammenlaufen, hat auch mit deren Kontakt zur Brillenmanufaktur Funk/Schuster zu tun. Die Firma aus Kinsau (nahe dem Ammersee) steht für nachhaltige Brillenfassungen - darunter Modelle aus recycelten Materialien wie Zigarettenfiltern.
Funk/Schuster hat nun eine Kollektion entwickelt, die in der Karlstraße zu bestaunen ist - in dieser Form erstmals in Deutschland.
„Die Brillen sind weit mehr als ein Gag, sie werden interessiert nachgefragt und auch gekauft“, ist Sven Empens Erfahrung.
Was er zum einen im Design, zum anderen im Umweltschutz als Hintergrund begründet sieht. Beides weise in die Zukunft - und ist als Kreislauf, bis es zur Brille kommt, durchaus diffizil. So verweist Dieter Funk auf seiner Homepage auf Imeko nach Valparaíso in Chile. Das 2019 gegründete Start-up verwandelt Zigarettenkippen – deren Filter aus nicht abbaubarem Celluloseacetat bestehen – mittels chemischem Recycling in ein hochwertiges Granulat.
Starke Partner: Imeko, Valparaiso - Funk/Schuster, Kinsau
Funk hat der Homepage zufolge den Prozess vor Ort bei Imeko erlebt. Schadstoffe würden herausgelöst, das Acetat zurückgewonnen. Den Zugang hierzulande zum recycelten Granulat mit dem Markennamen Celion hat sich Funk gesichert, der das Material in die eigene Plattenproduktion (Vorstufe der Brille) in Kinsau integriert hat.
„So wird ein massives Umweltproblem zum Rohstoff für neue Brillen“, ist seine Conclusio. Übrigens: Auch Knöpfe und Kleiderbügel werden in Europa bereits aus Celion gefertigt - „das Material wird einen großen Einsatz finden“, ist Empen überzeugt.
Zurück nach Tettnang, wo klar ist: „Der Erlös aus dem symbolischen Verkauf der gesammelten Zigarettenstummel wird vollständig an wohltätige Zwecke gespendet“, heißt es auf Empens Homepage, der zudem auf seine starken Nachhaltigkeitsbestrebungen verweist, die die Firma seit 16 Jahren in der Karlstraße verfolgt.
Wie andere Projekte stößt auch „Von der Kippe zur Brille“ zunächst einmal an Grenzen. Etwa in der Vorgabe, dass Kippen aus Deutschland als Sondermüll nicht nach Chile transportiert werden dürfen. Das macht die Überlegungen nach einer Fabrik auf dem heimischen Kontinent umso virulenter.
Abschließend der Brückenschlag zurück nach Meckenbeuren: Wie dort sollen auch in Tettnang die Zigarettenstummel gesammelt werden. Der Verein „Tettnang erleben“ bringt sich hierbei ein, das genaue Datum soll in Kürze feststehen.
Link zum Original Artikel online auf Schwäbische



