Aktion : Zigarettenkippen sammeln für saubere Städte - Beispiel Karlsruhe
- on Autor Felix Zink
Der Bürgerverein "sauberes Oberreut" sammelt Zigarettenstummel, um ihren Karlsruher Stadtteil sauberer zu machen und um die Kippen später vielleicht sogar recyceln zu lassen. Mittlerweile gibt es den Verein seit drei Jahren. Die Kippensammelaktion wurde lange vorbereitet. Die 20 Mitglieder treffen sich in regelmäßigen Abständen, um gemeinsam mit Eimer und Greifzange durch ihren Stadtteil zu laufen. Außerdem wurden in Eigenleistung Aschenbecher gebaut und aufgehängt.
Am Donnerstag hat der Bürgerverein sein Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt. Man erhoffe sich dabei Menschen zu sensibilisieren, ihre Zigaretten nicht einfach auf den Boden zu werfen.
Oberreut: Der Wunsch nach einem sauberen Stadtteil
Manfred Neu ist schon seit Beginn dabei und sammelt auch heute mit. Er wohnt selbst in Oberreut. Für ihn ist es einfach schöner, in einem sauberen Umfeld zu leben. Außerdem ist die Aktion nachhaltig, findet er. Das treibt ihn an.
Wir haben festgestellt: Da wo weniger Müll liegt, ist die Hemmschwelle wiederum höher, Müll selbst wegzuwerfen.
Manfred Neu, "Sauberes Oberreut"
Besonders gut angenommen würden die eigens aufgestellten Aschenbecher des Bürgervereins. Die hat Gründungsmitglied Kurt Bächle gemeinsam mit seinem Partner 3D-gedruckt und immer wieder angepasst. Insgesamt 35 Stück hängen schon in Karlsruhe-Oberreut.
Jedes Mitglied des Vereins hat eine Patenschaft für einen Aschenbecher übernommen und leert ihn regelmäßig. So kommt ganz schön was zusammen. Alleine in den letzten 24 Stunden sind so an der Bahnhaltestelle "Oberreut Zentrum" rund 100 Zigarettenkippen eingesammelt worden, die sonst auf dem Boden gelandet wären.
Stadt Karlsruhe möchte unterstützen
Was gut gemeint ist, ist aber nicht immer erlaubt. Der Verein muss genau schauen, wo er seine Aschenbecher montiert. An einer Bahnhaltestelle müssen etwa die Verkehrsbetriebe gefragt werden. Hängt der Aschenbecher dagegen an einer Laterne, muss zuerst das Tiefbauamt gefragt werden. Damit das in Zukunft einfacher wird, will die Stadt helfen. Auch weil die Stadt selbst gar nicht die Mittel hat, jede einzelne Kippe aufzusammeln.
Es ist einfach eine Sisyphusarbeit und deswegen sind wir unheimlich dankbar für jedes ehrenamtliche Engagement, das uns dabei unterstützt, unsere Stadt sauber zu halten.
Deshalb sollen Genehmigungsverfahren zum Aufhängen der Aschenbecher für den Bürgerverein vereinfacht werden. Außerdem unterstützt die Stadt den Verein bereits mit Utensilien zum Müllsammeln.
Kippenstummel sollen recycelt werden
Das Ziel ist aber nicht nur eine sauberere Umgebung. Die gerauchten Zigaretten sollen in Zukunft wiederverwertet werden. Dafür arbeitet der Bürgerverein mit der Firma Tobacircle aus Ludwigsburg zusammen. Die wiederum sammeln Kippenstummel von Unternehmen, Städten und Gemeinden in ganz Deutschland.
In sieben Jahren Firmengeschichte seien dabei rund 60 Tonnen Zigarettenstummel zusammengekommen, berichtet der Vorstand von Tobacircle, Mario Merella. Momentan gebe es in Deutschland nur ein Unternehmen, das weggeworfene Zigaretten zum Teil weiterverarbeiten kann. Aus den alten Kippen entsteht ein Granulat, was als Basis für ganz verschiedene Produkte genutzt werden kann. Zum Beispiel für Taschenaschenbecher. Sie enthalten wenigstens einen geringen Anteil des Granulats.
Brillengestelle aus alten Zigarettenkippen
Die Hoffnung: Eine solche Industrie langfristig auch in Deutschland einzuführen. Da hier bisher kaum Zigaretten im großen Stil gesammelt würden, gebe es laut Mario Merella noch kein industrielles Recycling in Deutschland. Aber das Potential sei groß.
Alles, was man aus Kunststoff machen kann, kann letzten Endes auch mit einem Zusatz aus Zigarettenkippen entstehen.
Die Herstellung von Produkten aus recycelten Zigarettenstummeln ist grundsätzlich auch heute schon möglich, berichtet der Oberreuter Bürgerverein. Derzeit kommt das Granulat dazu allerdings noch aus Chile. Ein konkretes Beispiel dafür, was alles möglich ist, zeigt die Firma Funk aus Bayern. Sie produziert mit dem importierten, recycelten Material Brillengestelle und hält eine symbolische Partnerschaft mit der Firma Tobacircle. Eine Recyclinganlage in Europa sei zwar geplant, erfordere aber noch Zeit, Investitionen und behördliche Genehmigungen.
Zigaretten aus Deutschland nach Chile zu verschiffen sei übrigens nicht möglich. Dazu enthielten die alten Zigarettenstummel zu viele Giftstoffe. Das Material aus dem später z.B. die Brillengestelle entstehen, sei dagegen vollständig ungiftig und laborgeprüft.
Link zum Artikel SWR aktuell Baden-Württemberg Karlsruhe

