EYECOM Magazin 2 / 2026 - MAXIMAL-RECYCLING
EYECOM - die Eyewear Community
Ausgabe 2 / 2026


PHOENIX AUS DER ASCHE
NACHHALTIGKEIT IST IN ALLER MUNDE. BRILLEN WURDEN SCHON AUS UNTER-
SCHIEDLICHSTEN RECYCLING-MATERIALEN HERGESTELLT - AUS MEERESPLASTIK,
PET-FLASCHEN, SCHALLPLATTEN, HOLZ. UND METALLABFÄLLEN UND AUS ALTEN BRILLEN. DIETER FUNK UND SASHEE SCHUSTER AUS DEM OBERBAYRISCHEN KINSAU HATTE EINE WEITERE IDEE: ZIGARETTENFILTER. DENN DIE BESTEHEN AUS DEMSELBEN GRUNDSTOFF WIE ACETAT-BRILLEN: CELLULOSE.
In einer Welt, in der weggeworfene Dinge selten eine zweite Chance erhalten, verdient ein Material Beachtung, das genau diese Fähigkeit zur Wiedergeburt in sich trägt. Celion heißt ein außergewöhnliches Material, das in seiner Herkunft wie in seiner Bedeutung eine überraschende Brücke schlägt zwischen Umweltproblem und ästhetischer Innovation. Was einst Symbol für Konsum und Vergänglichkeit war - die weggeworfene Zigarette - wird hier zur Grundlage für etwas Dauerhaftes, Sichtbares, Sinnstiftendes. Durch ein innovatives Recyclingverfahren, entwickelt von der Firma Imeko in Chile, gelang es, die cellulosehaltigen Zigarettenfilter zu reinigen, sämtliche Schadstoffe zu entfernen und die reine Substanz des Materials wiederzubeleben - als reines, leistungsfähiges Rohmaterial, das man Celion nennt. Das Ergebnis ist ein hochwertiges, granuliertes Bioacetat, das ohne Phthalate auskommt und ausschließlich mit biologisch abbaubaren, pflanzlichen Weichmachern verarbeitet wird.
In den Händen der deutschen Brillenmanufaktur FUNK bekommt dieser
Stoff dann ein neues Gesicht - oder besser: Ein neues Sehen.
Zunächst als Acetatplatte; dann als Brille. Denn Dieter Funk und Sashee Schuster, die eine der letzten echten Manufakturen ihrer Art in Deutschland betreiben, verbinden hier traditionellen Handwerkssinn mit avantgardistischer Verantwortung, wie sie es schon seit Jahren mit ihrem Recycling-Acetat tun. Ihre Brillen aus Celion sind daher nicht einfach Modeprodukte; sie sind metaphysische Übersetzungen einer globalen Herausforderung in ein persönliches Erlebnis: Du trägst nicht nur eine Brille - du trägst eine Geschichte. Eine Geschichte darüber, wie man Müll nicht nur reduziert, sondern transzendiert.
Eine stille Revolution im Materialkosmos.
Die Idee hinter Celion ist so pragmatisch wie poetisch. Praktisch, weil dieses Material mechanisch robust, farblich vielseitig und in herkömmlichen Verfahren verarbeitbar ist - also genau die Eigenschaften hat, die man von hochwertigem Celluloseacetat erwartet. Poetisch, weil jede Brillenfassung ein Zitat ist: Von Wegwerfgesellschaft zu Kreislaufwirtschaft, von Umweltbelastung zu Verantwortungsbewusstsein.
Doch Celion ist mehr als ein technisches Produkt: Es ist ein Denkmodell.
Es stellt die Frage, wie wir unsere Umwelt betrachten: Als Lagerplatz für Überbleibsel oder als Schatzkammer künftiger Ressourcen. FUNKS Einbettung dieses Materials in die eigene Kollektion, insbesondere im Rahmen des „Funk Phoenix Projects", lässt die Metapher des mythischen Vogels zur Realität werden: Aus Asche und Altem wächst Neues, Schönes, Nützliches. Der Konsument, der eine solche Brille wählt, wird so nicht nur zum Träger eines Objekts, sondern zum Agenten einer nachhaltigen Vision.
Du trägst nicht nur eine Brille - du trägst eine Geschichte.
In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit oft zum leeren Schlagwort verkommt, ist Celion ein seltener Fall von Substanz: Ein Material, das sich nicht hinter Marketingfloskeln versteckt, sondern die eigene Herkunft transparent macht und dadurch eine neue Ehrlichkeit in den Designprozess bringt.
Und das uns zwingt, unsere Beziehung zur Welt der Dinge zu überdenken - und unsere Seh- und Konsumgewohnheiten gleich mit.
